6 Fragen an Dr. Rüdiger Recknagel
Unseren neuen Senior Experten für Umweltschutz in der Automobilindustrie und Umweltstiftungen

1. Was hat Dich bewogen, Senior Experte bei fors zu werden?
Nach meiner aktiven Zeit als Leiter Umweltschutz in der Automobilindustrie möchte ich mich weiterhin für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsetzen. Fors kenne und schätze ich durch gemeinsame Projekte aus meiner Zeit bei Audi.
2. Seit wann bist Du im Bereich Nachhaltigkeit unterwegs?
Ich habe eine intrinsische Motivation für Nachhaltigkeit. Diese reicht bis in meine Studienzeit zurück, wo ich ein Umwelt-Tutoriat im Studentenwohnheim gegründet habe. Denn schon damals schwang das Thema „Schöpfung bewahren“ für mich mit. Und schon damals waren die Themen ähnlich – wenn auch „kleiner“: Studierende darauf hinzuweisen die Fenster zu schließen, um Heizkosten zu vermeiden, Wasser zu sparen oder Müll zu trennen.
Nach meiner Promotion konnte ich bei Audi in verschiedenen Funktionen, z. B. als Leiter der Lackiererei im Werk Ingolstadt viele Umweltprojekte initiieren und umsetzen. Richtig Fahrt nahm das Thema für mich auf, als ich 2016 von meiner Tätigkeit als „Lackiererei-Leiter Werk Ingolstadt“ mit über 1.000 Menschen zum „Leiter Umweltschutz Audi weltweit“ mit einem Team von weniger als zwei Dutzend Mitarbeitenden wechselte.
Ich kam also eher spät in meiner beruflichen Laufbahn in den Bereich, der mein Traum-Job wurde, da ich nun größere Hebel hatte, Umweltprojekte zu initiieren, zu unterstützen und gemeinsam mit anderen Abteilungen umzusetzen.
Dabei denke ich z. B. an die Audi Umweltstrategie Mission:Zero, die wir für alle Werke aufgesetzt haben und bei der wir gemeinsam mit fors viel Pionier-Arbeit in den 4 Kern-Themen Dekarbonisierung, Wasser- und Ressourcen-Verbrauch sowie Biodiversität geleistet haben.
Mit Mission:Zero haben wir bspw. von 2019 - 2025 akribisch die bilanzielle CO₂-Neutralität in allen Werken umgesetzt. Etwas, das bis dato kein anderer Automobil-Konzern gemacht hatte.
Parallel dazu konnte ich als Geschäftsführer der Audi Stiftung für Umwelt viele Projekte fördern, Events begleiten und ein inspirierendes Netzwerk aufbauen.
Ich bin sehr froh und dankbar für alles, was ich gemeinsam mit meinem Team in den 10 Jahren Umweltschutz bei Audi umsetzen konnte – etwas, das ich mir zuvor nicht hätte träumen lassen.
3. Worauf freust Du Dich am meisten in Deiner Rolle als Senior Experte?
Besonders freue ich mich auf die Möglichkeit, nachhaltige Verbesserungen und innovative Entwicklungen voranzutreiben und auf den Austausch mit anderen Senior Experten und Mitarbeitenden von fors.
4. Wo siehst Du geo-politisch die größten Chancen und Risiken für das Thema Nachhaltigkeit?
Die größten Chancen sehe ich im weltweiten Wettbewerb für gute Lösungen. Wenn wir bspw. nach China schauen, sehen wir ein Land, das das Thema Nachhaltigkeit als Chance wahrnimmt: Die allein im Jahr 2025 in China neu installierte PV-Leistung ist mit 315 GW größer als die in Europa bisher in Summe installierte PV-Leistung. China treibt die Elektromobilität voran und hat bei den E-Auto-Neuzulassungen bereits die 50-Prozent-Marke überschritten. Gleichzeitig werden neue Technologien bei der Software und Batterieherstellung entwickelt, die zu einem enormen Wettbewerbsvorteil führen und dazu, dass insbesondere die deutschen Autobauer unter Druck geraten.
Als die 2 größten Risiken für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen auf dieser Erde sehe ich das Machtstreben der Weltmächte, die vor kriegerischen Auseinandersetzungen nicht zurückschrecken und das Streben der Menschen nach immer mehr Wohlstand – auch wenn dies zum Nachteil und auf Kosten anderer geschieht.
5. Hast Du eine Nachhaltigkeits-Überzeugung, einen Glaubenssatz, ein Credo?
2019 hatte ich die Ehre, einen Vortrag zum Thema „Passion und Profession“ beim „One Young World“ Summit in London in der Royal Albert Hall zu halten. Dort wurde mir die gleiche Frage gestellt und ich überlegte, was ich den 2.000 Nachwuchstalenten sowie Experten aus Wirtschaft, Politik und humanitären Organisationen, die Lösungen für globale Herausforderungen in Bereichen wie Bildung, Klima- und Umweltschutz oder bei sozialen Projekten entwickeln, mitgeben könnte.
Ich blickte auf meine Passion – das Tennis-Spiel – zurück und entschied mich dafür, Credos von berühmten Tennis-Legenden weiterzugeben:
Roger Federer steht für mich dabei für „Never stop being positive”, Rafael Nadal für “Never stop fighting” und Boris Becker – gegen den ich das Vergnügen hatte, ein Jahr vor seinem ersten Wimbledon-Sieg zu spielen – haben mich dabei inspiriert.
6. Wie schafft man das, wenn man sich anschaut, dass Deutschland bis zu 38 Milliarden Euro Klimastrafen drohen, da Deutschland nach jüngsten Berechnungen des Umweltbundesamts seine Klimaziele 2030 noch deutlicher als angenommen verfehlt, woran v. a. die Sektoren Verkehr und Gebäude „schuld sind“ und in Anbetracht der geopolitischen Gemengelage?
Jeder kann etwas unternehmen. In großen Unternehmen hat man mehr Möglichkeiten und größere Hebel – so, wie ich bei Audi. „Nichts tun“ ist keine Option, wenn man unsere Lebensgrundlagen bewahren will. Außerdem kann man durch sein Handeln auch Vorbild sein und andere motivieren, aktiv zu werden. Jeder Anfang und jeder Schritt zählen – ob beruflich oder privat.