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 | 21.06.2026

5 Fragen an Wilfried Eberhardt

Unseren neuen Senior Experten für Maschinenbau, Vertrieb und Governmental Affairs​

 


1. Was hat Dich bewogen, Senior Experte bei fors zu werden?

Nach über 42 Jahren Fulltime in Robotik und Automation (davon fast 40 Jahre bei KUKA) wollte ich nicht einfach „abtauchen“. Ich suche eine sinnvolle Aufgabe, bei der ich meine Erfahrung einbringen und Neues lernen kann. Nachhaltigkeit und Zukunftssicherung sind mir dabei besonders wichtig – pragmatisch gedacht, ohne Ideologien. Für mich gehören Wirtschaftskraft und Nachhaltigkeit untrennbar zusammen. Ohne eine funktionierende und zugleich nachhaltige Wirtschaft gibt es keinen Wohlstand, keine stabile Gesellschaft, kein Geld und keine Innovationen, die wiederum Voraussetzungen für nachhaltiges Leben und Wirtschaften sind.

2. Worauf freust Du Dich am meisten in Deiner Rolle als Senior Experte?

Darauf, etwas Sinnvolles zu tun, mein Wissen und meinen Sachverstand an junge, engagierte Menschen weiterzugeben und an wichtigen Zukunftsthemen zu arbeiten. Die Jungen müssen die Zukunft gestalten – die älteren Semester sollten unterstützen und ihre Erfahrungen einbringen, um auch so im Dialog miteinander zu bleiben.
   

3. Du hattest neben Deinen spannenden Aufgaben als Chief Marketing Officer und Aufsichtsrat-Mitglied bei KUKA sowie Stimme der europäischen Robotikindustrie auch eine interessante Verantwortung als Vice President Governmental Affairs für die KUKA Group weltweit. Wie kam es dazu?

Durch Vertrieb, Marketing, Verbandsarbeit und meine Zeit als Expat in den USA habe ich früh internationale und politische Perspektiven kennengelernt. Besonders prägend waren meine Tätigkeiten für den VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau), die EUnited (European Engineering Industries Association) und die Zusammenarbeit mit China über den chinesischen Midea-Grosskonzern, der seit 2017 Eigentümer von KUKA ist. Dabei habe ich gelernt: Erfolgreiche internationale Zusammenarbeit braucht gegenseitigen Respekt und Diplomatie – keine westliche Arroganz und Besserwisserei.

4. Wo siehst Du geo-politisch die größten Chancen und Risiken für das Thema Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist aus meiner Sicht die Grundlage für eine gute Zukunft für alle Menschen weltweit. Und obwohl das auf der Hand liegt, haben es naturwissenschaftliche Fakten in Zeiten von Fake-News, in denen die sozialen Medien zunehmend zu Echokammern und Sammelbecken für Verschwörungstheorien verkommen, nicht leicht. Dass diese Fakten eben nicht für alle die „Wahrheit“ darstellen, ist das größte Problem, das sich nur lösen lässt, wenn versucht wird auch alle Menschen mitzunehmen – Dogmenfrei. Dieses Mitnehmen der Menschen braucht aber Zeit und dieser Zeitfaktor ist ein Risiko. Denn Nachhaltigkeitserfolge kommen ebenso wenig über Nacht wie Nachhaltigkeitsprobleme. Deshalb erfordert es gerade zu Beginn dieses Shifts Zeit, Geld und einen Mentalitätswechsel, da immer noch zu oft business as usual propagiert wird. China geht hier mit gutem Beispiel voran. Das Land schaut immer stärker auf die langfristigen Probleme und Risiken am Horizont, die sich einstellen, wenn zu lange auf „Verschleiß“ gefahren und zu viele Ressourcen verbraucht werden. In China lassen sich auch schön die entstehenden Chancen in Bereichen wie E-Mobility, Batterietechnologien oder grünem Wasserstoff erkennen.
  

5. Was hat es mit dem Buch auf dem Foto und der Widmung auf sich?

In der 12. Klasse lobte das Kepler-Gymnasium in Ulm, das ich besuchte, einen Buchpreis für gute Schulleistungen aus. Meine Wahl fiel auf das Buch „Ein Planet wird geplündert“, das 1975 nicht der Feder eines „Grünen“, sondern des CDU-Politikers Herbert Gruhl entsprang. Ich interessierte mich schon damals mit 17 für Nachhaltigkeit und die „Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome) und kann mich an durchaus harte Diskussionen mit meinem Vater und auch meinem Onkel erinnern. Die fanden „sowas“ damals „ziemlich weit weg“ von den „wirklich wichtigen“ Dingen und Problemen. Über die Jahre geriet dieses Thema auch bei mir leider mehr in den Hintergrund und Job (Karriere) und Familie (meine 4 Kinder) in den Vordergrund. Der Zeitgeist nach der Wiedervereinigung („höher, schneller, weiter ...“) tat sein Übriges. Heute sind gerade meine 4 Kinder mehr denn je der Ansporn sich aktiv für eine stabile, gute und nachhaltige Zukunft einzubringen. Für sie gibt es sehr viel zu tun. Umso mehr freue ich mich jetzt auf meine Zeit als Senior Expert bei fors. It's never too late.