Zurück

fors.earth | 02.02.2021

Nachhaltige Immobilien

Welchen Einfluss haben Green Deal und steigende Konsumenten- und Investorenanforderungen?

Grüne Immobilien / Gebäude

14 % der deutschlandweiten CO2-Emissionen entstehen im Gebäudesektor1 – ein durchaus relevanter Anteil. Daher spielt dieser Sektor eine entscheidende Rolle beim Erreichen der Klimaziele, was die Bundesregierung u.a. seit 2021 durch die Ausweitung der CO2-Bepreisung auf den Gebäudesektor unmittelbar fördert.

 

Von  Holger Ladewig  

 

Die Regulatorik nimmt zu

 

Mit der EU-Taxonomie arbeitet die EU-Kommission derzeit an einem universellen Klassifizierungssystem, das Klarheit schaffen soll, was als „grüne“ Investition gilt. Das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung legt jährliche Ziele zur Verringerung des CO2-Ausstoßes u.a. für den Gebäudesektor fest. Um das Ziel eines CO2-neutralen Gebäudebestandes zu erreichen, hat die Immobilienbranche in den kommenden Jahren eine Vielzahl von Aufgabenstellungen zu lösen.

 

Klimaschonende Energieträger und Energieeffizienz sind gefragt

 

Zwölf Jahre nach Einführung des Energieausweises sind Veränderungen im Nutzerverhalten erkennbar, immer mehr Mieter und Eigentümer interessieren sich für die energetischen Kenndaten ihrer Wohnung. Die Herkunft der Elektrizität, sowie der für Heizung und Kühlung erforderlichen Energie, wird hinterfragt. Der Einbau von Ölheizungen ist ab 2026 nicht mehr zulässig1. Die proaktive Umstellung der Beheizung und Kühlung von Gebäuden auf klimaneutrale Energieträger ermöglicht die Erreichung der Klimaziele. Die von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende begünstigt energiesparendes Wohnen und Arbeiten. Der Wohnflächenverbrauch pro Person steigt seit Jahren an. Neue Wohnformen wie Shared Apartments können jedoch das Nachfrageverhalten beeinflussen.

 

Auch andere Nachhaltigkeitsanforderungen steigen

 

Für die Auflösung des Nutzer-Investor-Dilemmas werden bei Bestandsbauten kreative Antworten benötigt. Eine kann die Steigerung der Gebäudeeffizienz und Optimierung der technischen Anlagen, z.B. durch Digitalisierung (IoT), sein. Die Implementierung intelligenter Gebäudesteuerungstechnik optimiert die Nutzung von Büro- und Besprechungsräumen, welche zu einem Großteil des Tages (und der Nacht) ungenutzt sind. Abstellmöglichkeiten für e-Bikes und Lastenfahrräder sind gefragt, um moderne Transportkonzepte zu ermöglichen. Die notwendige Ladeinfrastruktur zur Unterstützung der Energiewende ist aufzubauen. Projektentwickler und Investoren betrachten zunehmend Life Cycle Costs und in der Baustoffindustrie wird das Cradle-to-Cradle-Konzept bei Neubauten vorangetrieben.

 

Das Konsumenten- und Investorenverhalten ändert sich

 

Gemäß EU-Kommission sind sektorübergreifend 260 Mrd. € Investitionen pro Jahr notwendig, um bis 2030 die Reduzierung des Treibhausgasausstoßes um 40 % gegenüber 1990 zu erreichen2. Dieses Klimaziel wurde nun sogar auf 55 % erhöht3. Wenn die Empfehlungen der Wissenschaft Gehör finden, könnten weitere Verschärfungen folgen.

Gebäude sind ein langfristiges und häufig fremdfinanziertes Investitionsgut, weshalb kurzfristig durchgreifende Veränderungen schwer umzusetzen sind. Die Weichen müssen jetzt in die richtige Richtung gestellt werden, um mittel- und langfristig die Dekarbonisierung des Gebäudesektors sicher zu stellen. Nicht nachhaltig geplante und betriebene Gebäude werden in absehbarer Zukunft bei den Finanzierungskonditionen im Nachteil sein.

Die lokalen Konsumenten und die globalen Investoren fordern mehr Transparenz hinsichtlich der Energieeffizienz ihrer Gebäudebestände. Diese Erwartungen werden nicht nur von großen Immobilienkonzernen formuliert, sondern zunehmend auch von Privatanlegern. Neue, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Anlageprodukte wie „Manage to green“ werden initiiert.

Ein aktives Nachhaltigkeitsmanagement wird integraler Bestandteil des Kerngeschäftes in der Immobilienbranche werden.

 

1 Bundesregierung (Stand: 02.02.2021)

2 Europäisches Parlament (Stand: 02.02.2021)

3 Süddeutsche Zeitung (Stand: 02.02.2021)